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Plastik in der Farbmaushaltung

Lumi

Administrator
Staff member
#1
Plastik in der Farbmaushaltung

Immer wieder kommt die Diskussion „Plastik für Mäuse – ja oder nein“ in Gang. Und immer wieder werden die gleichen Argumente (sowohl Pro als auch Kontra) aufgeführt. Größerer Beliebtheit der Plastik-Befürworter erfreut sich diese Homepage: Plastik - schlaumaeuses jimdo page! . Die Gründe dafür liegen auf den ersten Blick klar auf der Hand: Alle Argumente, die mausebandler sonst so gern anführen, werden scheinbar entkräftet. Damit haben sie – die mausebandler-Plastik-Gegner – Unrecht und die Plastik-Befürworter Recht.
Aber eine faire Methode ist das nicht. Schließlich wurde bisher noch nicht ausführlich Stellung zu den auf obiger HP aufgeführten Punkten genommen.
Das soll hiermit geschehen. Es ist nicht unser Bestreben im gleichen Ton wie der/die Homepageersteller/in [leider fehlt das gesetzlich nötige Impressum, um hier eine genauere Angabe machen zu können] zurückzuschießen, gerade weil dieser Ton alles andere als sachlich und neutral ist. Auch wollen wir nicht zum weiteren Verhärten beider Fronten beitragen.
Die folgenden Ausführungen sollen lediglich das leidige Thema „Plastik“ genauer darstellen, sowie manchmal eine Gegendarstellung zu den schlaumäuse-Argumenten bieten.
Die formulierten Thesen sind alle dem Sinn nach auf obiger Homepage im entsprechenden Artikel zu finden.

1.

These: Farbmäuse können nicht „versehentlich“ Dinge verschlucken, da sie die s.g. Inflexa pellita besitzen (Hautfalte hinter den Nagezähnen).

Antithese: Mäuse können sehr wohl abgenagte Späne verschlucken.

Fazit: Farbmäuse besitzen diese Falte. Im Normalfall schützt diese die Maus davor, Fremdkörper beim Nagen zu verschlucken. Da aber auch Mäuse ihr Körnerfutter über ihr Maul aufnehmen, ist die Inflexa pellita logischerweise nicht durchgängig geschlossen.
Die Maus setzt – vermutlich instinktiv „bewusst“ – diesen Schließmuskel nicht immer ein.
Wer kann garantieren, dass eine Maus Kunststoff nicht doch mit dem Hintergedanken „Kann mans evtl fressen?“ annagt? Bekanntlich versuchen sie auch bei unbekannten Dingen (Obst, Gemüse, etc), ob man es fressen kann. Bei der Nahrungsaufnahme sichert die Hautfalte nicht ab. Will die Maus also Kunststoff fressen, dann schluckt sie es auch.
--> Kunststoff kann trotz vorhandener Inflexa pellita verschluckt werden. Daher können Kunststoffsplitter auch Schäden im Verdauungstrakt anrichten. Desweiteren besteht die Gefahr (da Kunststoffe meist säurebeständig sind und somit nicht verdaut werden), dass ein Darmverschluss entsteht.

2.

These: Weichmacher sind für Farbmäuse selten schädlich, da sie im Magen nur schwer herausgelöst werden.

Antithese: Weichmacher sind nicht nur beim Herauslösen im Verdauungstrakt schädlich.

Fazit: Weichmacher sind – wie der Name sagt – dafür verantwortlich, dass Plastik weicher und geschmeidiger wird. Diethylphtalat ist das Häufigste. Es darf nicht in Kinderspielzeug verwendet werden, da es mit Fruchtschädigung und Fruchtbarkeitsschädigung in Verbindung gebracht wird. Wenn es nicht im Kinderspielzeug vorkommen darf, dann sollte es wohl auch nicht im Spielzeug unserer Mäuse vorkommen. DEHP geht keine chemischen Verbindungen ein und dunstet so mit der Zeit aus. Die Maus muss das Plastik nicht annagen, um mit dem gefährlichen Stoff in Kontakt zu kommen. DEHP ist außerdem krebserregend.
Daher ist von einer Verwendung von Kunststoffen mit DEHP (Weich-PVC z.B.) dringend abzuraten.
Mesamoll ist ein Ersatzweichmacher für DEHP. Daher wird es auch in PVC verwendet und auch in PUR. Hier liegt der LD50-Wert bei 5g/kg Körpergewicht. Die 30g Maus müsste 0,15g davon aufnehmen (herauslösen), also weitaus weniger als beim DEHP(0,9g pro 30g Maus)! Mesamoll sollte daher nicht in Farbmausnähe geraten. Demnach scheidet erneut PVC und auch PUR für die Farbmaushaltung aus.
Hexamoll ist ein weiterer Weichmacher. Auch hier findet man Angaben LD50 <5mg/kg.
Citronensäuretriethylester ist ebenfalls ein Weichmacher, allerdings komplett biologisch unbedenklich und ist nicht krebsauslösend. LD50 >3,2g/kg Gewicht.

PE und PP kann ohne Weichmacher hergestellt werden.

--> Weichmacher sind gesundheitsschädlich, auch wenn sie nur schwer im Verdauungstrakt herausgelöst werden. Daher sollte man, wenn irgendmöglich, komplett auf weichmacherhaltige Kunststoffsorten verzichten.
Kunststoff kann –egal, ob mit oder ohne Weichmacher – zu einer unangenehmen Verstopfung bis zu einem tödlich endenden Darmverschluss führen.

3.

These: Damit in Schlafhäusern Kondenswasser (=Schwitzwasser) entsteht, müsste die Temperatur der Wandinnenseite auf 11,6 Grad Celsius sinken, bei 21°C Lufttemperatur und 55% Luftfeuchtigkeit. Die Wandinnenseiten werden aber niemals so kalt sein, daher ist das Argument „Es bildet sich Kondenswasser“ hinfällig.

Antithese: Kondenswasserbildung ist möglich. Die Gefährdung der Tiere durch Kondenswasseransammlung ist in Kunststoffhäusern größer als in Holzhäusern.

Genau wie Zucker in Tee kann auch Wasserdampf oder Feuchtigkeit in Luft gelöst sein. Warme Luft kann dabei deutlich mehr Feuchtigkeit aufnehmen als kalte Luft. Das wird wichtig, wenn sehr feuchte, warme Luft abkühlt und ihre Feuchtigkeit nicht mehr halten kann. Dann kondensiert die Feuchtigkeit, d.h. es bilden sich kleine Wassertröpfchen.
Ein Beispiel: Wenn wir an kalten Tagen ins Auto einsteigen, passiert es schnell, dass die Scheiben beschlagen. Die warme, feuchte Luft, die unsere Lunge verlässt, kühlt dabei am Glas ab. Die Feuchtigkeit kondensiert und bildet eine Schicht feiner Wassertröpfchen.
Dasselbe kann auch in den Schlafhäuschen unserer Kleinnager passieren. Dabei kondensiert die Feuchtigkeit aus der warmen, feuchten Atemluft an den kühleren Wänden des Häuschens.

Ob sich Kondenswasser bildet oder nicht, hängt davon ab, wieviel Feuchtigkeit in der Luft vorhanden ist und welche Temperatur die Wandinnenseiten des Häuschens haben.

Im Jimdo Schlaumäuse Beispiel ist das Häuschen gefüllt mit Raumluftluft: 21°C Lufttemperatur, 55% relative Luftfeuchtigkeit - das entspricht etwa 10,1g Wasser je Kubikmeter Luft. Die Feuchtigkeit dieser Raumluft kondensiert erst, wenn es kälter wird als 11,6°C, weil noch kältere Luft die o.g. Wassermenge nicht mehr aufnehmen kann. Das ist tatsächlich sehr unwahrscheinlich und wird bei den allermeisten Haltern nie passieren.
Im Beispiel wird aber übersehen, dass die Luft im Haus nicht zu jeder Zeit der Raumluft entspricht, sondern möglicherweise viel wärmer und feuchter ist, weil es klein und schlecht belüftet ist und von mehreren atmenden Warmblütern benutzt wird.
Die Ausatemluft von luftatmenden Wirbeltieren ist bei Körpertemperatur nahezu wassergesättigt [1]. Für die Ausatemluft einer Maus kann man also 38°C und 99% relative Luftfeuchtigkeit annehmen, das entspricht einer Wassermenge von 45,7 g je Kubikmeter Luft, also mehr als viermal soviel wie in der oben angenommen Raumluft. In dieser Atmosphäre kondensiert die Feuchtigkeit schon, wenn es kälter als 37,8°C wird!
Im ungünstigsten Fall füllt die warme Ausatemluft das Haus vollständig aus. Außerhalb des Häuschens ist die Raumluft mit 21°C deutlich kälter. Über die Hauswand findet nun ein Temperaturausgleich statt, wobei bereits die Hauswandinnenseite deutlich kühler als die Hausluft ist. Je nach Material und Wandstärke des Häuschens (siehe unten) wird die Innenwand eine Temperatur zwischen ca. 30°C und 32°C annehmen [2]. Atmet eine Maus jetzt gegen die Hauswand aus, entsteht dort sofort Kondenswasser.

Dieses Kondenswasser begünstigt Schimmelbildung, Vermehrung von Keimen und Gefahr von Atemwegserkrankungen.

Verschiedene Faktoren bestimmen, wie groß die Gefahr der Kondenswasserbildung/-ansammlung in einem Häuschen ist:

Belüftung
Je schlechter ein Haus belüftet ist, desto schlechter kann sich die feuchte Ausatemluft mit der trockeneren Raumluft vermischen. Die Luft im Inneren eines schlecht belüfteten Häuschen ist also wärmer und feuchter als in einem gut belüfteten Häuschen, und damit ist Kondenswasserbildung im schlecht belüfteten Häuschen wahrscheinlicher.
Die Belüftung in Kunststoff- sowie in Holzhäuschen lässt sich leicht verbessern, indem mit einer Schere oder einer Bohrmaschine zusätzliche Eingänge oder Belüftungsöffnungen hinzugefügt werden. Bei Häusern mit abnehmbaren Deckel kann man geeignete Holzstückchen unter den Deckel kleben, so dass ein Spalt zwischen Haus und Dach bleibt. Bei Einrichtungsgegenständen aus Glas (zB. Bonbongläser als Sandbad) kann man nicht so einfach neue Öffnungen hinzufügen. Leider neigen Mäuse dazu sämtliche Öffnungen ihres Schlafhäuschens mit Nistmaterial zuzustopfen, sodass die Versuche, die Belüftung zu verbessern, oft zum Scheitern verurteilt sind.

Wärmeleitfähigkeit und Materialdicke
Die Temperatur der Wandinnenseite hängt von der Wärmeleitfähigkeit des Materials und der Materialdicke ab. Je geringer die Wärmeleitfähigkeit und je dicker die Wand, desto höher ist die Temperatur der Wandinnenseite(weil die Wärme der Ausatemluft nicht so schnell abgeleitet werden kann) und desto geringer ist damit auch die Gefahr/das Ausmaß der Kondenswasserbildung.
Die geringste Wärmeleitfähigkeit im Häuschenvergleich hat (Kiefern- oder Fichten-)Holz. Die Wärmeleitfähigkeit von PET-Kunststoff ist fast doppelt so hoch und die von Glas fast 6mal so hoch.
Die Wandstärke von Holzhäuschen liegt meist bei 4-10mm. Kunststoffhäuschen haben in der Regel wesentlich dünnere Wände (1-3mm). Zu Häuschen umfunktionierte Glasbehältnisse liegen bei 2-4mm Wanddicke.

Wasserdampfdurchlässigkeit
Ein gut wasserdampfdurchlässiges Häuschenmaterial kann dafür sorgen, dass sich kein Kondenswasser im Innern staut. In solchen Häusern wird eventuell auftretendes Kondenswasser (z.T. sogar schon die Feuchtigkeit aus der Luft im Hausinnern) von den Hauswänden aufgesaugt und verteilt sich über den gesamten Wandquerschnitt. An der Außenseite trifft das jetzt feuchte Wandmaterial auf die trocknere Raumluft. Infolge dessen trocknet die Außenoberfläche der Hauswand ab, während von der Innenseite her wieder Feuchtigkeit nachgezogen wird. Dieser Prozess sorgt dafür, dass auch bei schlechter Belüftung des Hauses ein kontinuierlicher Ausgleich zwischen der höheren Wassermenge der Luft im Hausinnern und der niedrigeren Wassermenge der Raumluft außerhalb des Hauses stattfinden kann.
Gut wasserdampfdurchlässig sind z.B. unbeschichtetes Holz und manche unglasierte Keramikgegenstände, z.B. Ton-Blumentöpfe. Kunststoffe, Glas, beschichtetes bzw. lackiertes Holz, glasierte Keramik o.ä. sind mäßig bis kaum wasserdampfdurchlässig.

Fazit:
In jedem schlecht belüfteten Haus kann Kondenswasser entstehen. Die Gefahr der Kondenswasserbildung ist dabei (aufgrund der höheren Wärmeleitfähigkeit und der geringeren Wandstärke) in Plastikhäusern etwas größer als in Holzhäusern. Zudem ist Kunststoff kaum wasserdampfdurchlässig, sodass sich dort das Kondenswasser stauen kann, während Holzhäuser Feuchte/Kondenswasser aufnehmen, nach außen abgeben und somit einem gesundheitsgefährenden Kondenswasserstau vorbeugen können.

[1] Schmidt-Nielsen, Knut (1999) Physiologie der Tiere - Kapitel 1, Spektrum Akademischer Verlag
[2] für die Berechnung angenommene Werte:
Holzhaus: Wanddicke = 10mm, Wärmeleitfähigkeit = 0,13W/mK
Plastikhaus: Wanddicke = 3mm, Wärmeleitfähigkeit = 0,23W/mK
Wärmeübertragungswiderstand innen und außen = 0,13m²K/W
Innentemperatur = 38°C, Außentemperatur = 21°C)



4.

These: Plastikgegner sind in ihrer Argumentation nicht konsequent. Sie nutzen durchaus Laufräder aus PE, Plexiglas (PMMA), Holzleim (Ponal mit PVA), sowie Sabberlack auf Acrylbasis oder Epoxidharz (EP).

Antithese: Plastikgegner nutzen zwar kunststoffhaltige Stoffe in der Haltung, sind aber bemüht, unschädliches Plastik zu verwenden, sowie auf unnötiges Plastik zu verzichten.

Fazit: Gehen wir der Reihe nach auf die genannten Punkte ein:
Laufrad aus PE: Das WodentWheel ist aus PE. PE enthält schon mal keine Weichmacher. Dennoch kann(!) beim Annagen des Laufrades Plastik aufgenommen werden, das dann u.U. zu Verstopfung und Darmverschluss führen kann. Auf der sicheren Seite ist man, wenn man auf Holzlaufräder zurückgreift (auf angebliche Nachteile von Holz wird weiter unten eingegangen).
Plexiglas/Bastlerglas: Bestehen aus PMMA bzw PS. PMMA wird in der Medizintechnik angewendet (u.a. Zahnmedizin). Würden sehr leicht Splitter entstehen, würde man dafür ein anderes Material verwenden. Die Späne sind nicht messerscharf, sondern eher weich (zum Test kann eine Plexiglasplatte angesägt werden, um so Späne zu erhalten). Dennoch ist PMMA annagbar. Daher sollten natürlich bei nagewütigen Mäusen die Plexiglaskanten abgesichert werden z.B. über Holzleisten.
Unter Umständen können in PMMA Weichmacher enthalten sein. Dieser Prozentwert ist allerdings bei Plexiglasscheiben extrem gering (Hätten sie einen höheren Weichmacheranteil, würden sie bei der Bearbeitung (Sägen/Bohren) wesentlich einfacher sein).
Bei Marken-Plexiglas sind keine gesundheitsschädlichen Weichmacher enthalten.

Ponal Holzleim: dazu genügt ein Blick auf eine Herstellerseite . Schnelles Fazit: Ponal ist in der Maushaltung nicht gefährlich. Dennoch verzichtet ein mitdenkender Maushalter weitgehenst auf Ponal. Wenn möglich, wird zu dem ungefährlichen, voll-verdaulichen, selbsthergestellten Mehl-Kleber geraten. Muss Ponal verwendet werden, dann sollte er natürlich möglichst sparsam aufgebracht werden und so, dass die Mäuse ihn nicht erreichen können (auch wenn er vom Hersteller als unbedenklich eingestuft wird).

Sabberlack: vorneweg: Wer hierbei Bedenken hat, kann auf Leinölfirnis zurückgreifen. Es muss zwar ggf nachbehandelt werden, aber die Firnis zieht völlig ein, es entsteht kein abnagbarer Schutzfilm. Das Acryl dient beim Spielzeuglack als Bindemittel. Dadurch kann auf eine Menge gesundheitsschädlicher Lösungsmittel verzichtet werden (nur noch unter 20% Rest-Lösungsmittel, im Vergleich Nitrolacke mit bis zu 80%). Es kann sogar komplett auf Lösungsmittel verzichtet werden (anstelle dessen wird Wasser verwendet).
Die DIN 71/3 geht von Werten für Kinder aus, die nur halb so groß sind wie die Werte für Erwachsene. Das ist schon mal ein klarer Pluspunkt für die Mäuse, da so die gesetzten Grenzwerte niedriger liegen. Die 8-mg-Grenze entspricht der Aufnahme (mengentechnisch) von einem 2x2x2mm großem Plastikwürfel.
Es kann sehr unwissenschaftlich argumentiert werden: Wenn das Acryl im Lack für Kleinst-Kinder unbedenklich ist, dann kann es auch bei Farbmäusen angewendet werden.
Etwas wissenschaftlicher ein anderes Argument: Acrylglas ist ein anderer Begriff für Plexiglas (PMMA). Das kommt daher, dass ein Monomer des PMMAs Acryl enthält: Methacrylsäuremethylester. Aus den Monomeren setzen sich die Polymere zusammen. Einfach ausgedrückt, sind Monomere die kleineren Bausteine eines (Kunst)stoffes.
Daher kann nun an dieser Stelle auch auf die Eigenschaften von PMMA (weiter oben) verwiesen werden.

Epoxidharz (EP): ist nur unausgehärtet giftig (daher wird auch bei der Verarbeitung zu Sicherheitsmaßnahmen geraten). Ausgehärtet ist es nicht mehr giftig (KLICK). Außerdem ist es praktisch nicht annagbar. Wird Epoxidharz richtig angemischt und sorgfältig verarbeitet, besteht hier für Farbmäuse keinerlei Gefahr.

5.

These: Vor der schlechten Belüftung in Plastikhäuschen wird mit Nachdruck gewarnt, wohingegen miserabel belüftete Häuschen aus komplett lackiertem Holz, lackierte Keramik, ja sogar Bonbongläser uneingeschränkt empfohlen werden!

Antithese: Plastikhäuser sind für die Farbmaushaltung ungeeignet. Alternativen bieten Holzhäuser, Keramikinventar und auch Bonbongläser aus Echtglas.

Fazit: Auch hier wollen wir genauer auf die einzelnen Punkte eingehen:
Holzhäuser: Diese dürfen natürlich NICHT komplett lackiert werden, da sie sonst effektiv genauso wie ein Plastikhaus einzustufen wären. Um ein Holzhaus vor Urin zu schützen, genügt es logischerweise, nur die Teile zu lackieren, die auch mit Urin in Kontakt kommen könnten. Das sind in der Regel die unteren 2-3 cm der Innen-und Außenwände sowie die Dachoberseite, falls vorhanden auch der Boden. Der Rest sollte nicht lackiert werden. So kann das Holz auch Luftfeuchtigkeit aufnehmen - der weiter oben ausgeführte Kunststoff-Minuspunkt der unter Umständen möglichen Schwitzwasserbildung besteht nicht. Natürlich muss man aber auch hier regelmäßig kontrollieren, ob das Haus noch bewohnbar ist (das sollte unabhängig vom Werkstoff geschehen, egal ob Holz oder Kunststoff).

Keramikinventar: Diese haben meist sehr große Öffnungen (zweckentfremdet, ehemals für Teelichter), daher entsteht hier die Problematik der schlechten Belüftung nicht. Sie müssen regelmäßig gereinigt werden, da sie von Mäusen gern als Toilette benutzt werden. Dank der Lasur ist aber das sehr einfach.

Bonbongläser: Auch diese haben idR eine sehr große Einstiegsöffnung, was eine ausreichende Belüftung garantiert. Da Bonbongläser oftmals mit Sand/Streu/etc gefüllt sind, wird Urin schnell aufgenommen.

Plastikhäuser: Lediglich vom Aspekt der Belüftung her betrachtet (!), müssen Plastikhäuser – weil sie keine Feuchtigkeit aufnehmen können – bodenlos sein (damit das Einstreu Urin aufsaugen kann) und große Öffnungen besitzen, damit der Luftaustausch gewährleistet ist(siehe oben).




Fortsetzung im zweiten Post!
 
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Lumi

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#2
Fortsetzung:

6.

These: bedenklich sind für die Mäusehaltung außerdem recyceltes (Toiletten-) Papier und Pappe, denn diese enthalten den für Mäuse stark schädlichen Weichmacher DiBP (Diisobutylphthalat), und vorallem von Jungtieren werden Toilettenpapier und Pappe mitunter gefressen!

Antithese: recyceltes Toilettenpapier und unbedruckte Pappe kann bedenkenlos angeboten werden.

Fazit: der Weichmacher DiBP ist in manchen Klebstoffen enthalten (bei Pappe). Wird Pappe recycelt, kann dieser Klebstoff nicht zu 100% rausgewaschen werden. Der Prozentanteil des Klebstoffs ist aber natürlich ein sehr geringer.
Desweiteren haben sich alle deutschen Klebstoffhersteller dazu selbst verpflichtet (KLICK) auf DiBP zu verzichten. Desweiteren (KLICK) wird der Grenzwert von 0,3mg migrierendes DiBP pro kg Papier bereits eingehalten. Gehen wir nun davon aus, dass die 0,3mg, die migrieren, auch so in dem Papier enthalten sind, müsste eine Maus über 1kg fressen, um den LD50-Wert (15 g/kg oral) zu erreichen.

Zwar finden sich hierzu nur Werte für Papier und Pappe für Lebensmittelverpackungen. Wer allerdings etwas Hintergrundwissen hat, weiß, dass ein Lebensmittelverpackungshersteller keine eigene Papiermaschine im Keller stehen hat, sondern seinen Bedarf einkauft. Und das Papier/Pappe dieser Papiermaschine wird nicht nur an Lebensmittelverpackungshersteller verkauft, sondern auch an andere Kunden.
Daher kann man wohl diese Grenzwerte auf alle recycleten Papiere anwenden, die in Deutschland produziert werden. Es ist schließlich einfacher/billiger/wirtschaftlicher, einen Papierbrei zu verwenden als mehrere unterschiedliche.

Lediglich in Osteuropa und Fernost wird noch DiBP in Klebstoffen verwendet.
Es kann nun zusammenfassend gesagt werden: DiBP ist definitiv schädlich, allerdings werden die Grenzwerte schon seit 2009 eingehalten. Oftmals wird komplett auf DiBP verzichtet. Sollte DiBP enthalten sein, müsste eine Maus sehr viel (über 1kg) von dem Papier zu sich nehmen, um daran zu 50% zu sterben.
Papier und unbedruckte Pappe kann bedenkenlos weiterhin gegeben werden.


7.

These: Plastik, v.a. PVC kann nicht schlecht sein, wenn es von verschiedenen scheinbar seriösen Quellen als ungefährlich eingestuft wird und empfohlen wird. (z.B. vom: RMCA (Rat and Mouse Club of America), vom AEC (Animal Ethics Committee) der University of Sydney, oder auch von der ASPCA (American Society for the Prevention of Cruelty to Animals), der renommiertesten amerikanischen Tierschutzorganisation)

Antithese: Man sollte genau prüfen, woher Informationen stammen. Und inwieweit die Seiten einen seriösen Eindruck machen.

Fazit: Zuerst sei gesagt, dass man natürlich von überall her Informationen einholen kann. Bezüglich Empfehlungen in der Tierhaltung ist es allerdings ratsam, auf deutsche Infoseiten zurückzugreifen (TVT etc). Gerade im Bereich des Tierschutzes sind die USA z.B. doch noch etwas „hintendran“. Schade, dass nur amerikanische/australische Seiten genannt werden, die PVC/Plastik befürworten und empfehlen. Das lässt die Frage zu, ob keine offizielle deutsche Seite gefunden wurde, die Plastik empfiehlt. Oder ob danach schlichtweg nicht gesucht wurde (Da stellt sich die Frage aber: warum nicht?).
Allgemein kann gesagt werden, dass der Allgemeineindruck zählt. Findet man auf einer Seite haarsträubende Informationen, ist das nicht wirklich ein Pluspunkt für die Glaubwürdigkeit. Wenn eine Seite bei Basis-Punkten A, B, C versagt, kann man dann davon ausgehen, dass Punkt D auf jeden Fall stimmt? Wohl weniger.

Aber auch hier wollen wir der Reihe nach vorgehen:
RMCA : Hier werden die Hart-PVC-Röhren empfohlen. Schade ist allerdings, dass die Seite einen etwas verlassenen Eindruck hinterlässt, da die letzte Aktualisierung auf der Startseite auf den 18.Juli2010 datiert ist. Außerdem wird Herausfangen (auf Zwangebene) als idealen Weg zum Zahmwerden angepriesen. Von den empfohlenen Mindestmaßen von 44 Liter-Aquas (10 Gallonen) für bis zu 3 Mäuse ganz zu schweigen (80x50x50 entsprächen 200 Litern!).

AEC : Befürwortet die “environmental enrichment”-Haltung („natürliche Bereicherung“). Hört sich gut an, ist aber wohl hier falsch umgesetzt: die Haltung in Plastikkäfigen ( = Dunas) wird empfohlen, Brot als mögliche Nahrung, Äste nur für Ratten… Auch hier kann man der Seite nicht zu 100% vertrauen.
Es wird hier Plastik/PVC-Inventar befürwortet.

ASPCA : Diese Seite macht den besten Eindruck. Sie scheint sehr aktuell gehalten zu werden. Aber auch hier wird für 1-4 Farbmäuse ein 44 Liter-Aquarium als ausreichend eingestuft, wobei hier der Hinweis zu finden ist: je größer, desto besser. Auch wird eine Komplettreinigung jede Woche empfohlen (und da Männchen mehr stinken, sollte hier öfter gesäubert werden.). Der erfahrene Maushalter weiß, dass das ziemlicher Humbug ist.
Auch hier werden PVC-Röhren empfohlen.

Soweit zur Beurteilung der Seiten. Ob Hart-PVC nun wirklich so gut ist, wollen wir als nächstes erarbeiten.

8.

These: PVC- Röhren sind hervorragend zu reinigen und auch gut zu belüften. Lediglich Weich-PVC ist zu meiden. Im Gegensatz dazu sind Holzröhren viel zu eng, nicht gekennzeichnet, nicht zerlegbar und unhygienisch.

Antithese: PVC-Röhren sind absolut ungeeignet, da sie schlecht belüftet sind und der Werkstoff schädlich für Mäuse ist. Als Alternative kann man gefahrenlos auf Holzröhren zurückgreifen.

Fazit: Weiches PVC ist wegen des Weichmachergehalts für Farbmäuse ungeeignet. Hartes PVC (PVC-U) enthält keine Weichmacher. Es bleiben aber die „üblichen“ Minuspunkte bestehen:
Hart-PVC ist sehr spröde und kann beim Annagen splittern und auch teils sehr scharfe Kanten entstehen lassen. Inventar aus PVC-U sollte daher regelmäßig kontrolliert werden.
PVC ist säurebeständig, es verändert sich also in keinster Weise, wenn es von Mäusen aufgenommen wird. So entstehen schonmal keine scharfen Splitter im Magen. Allerdings kann es zu Verdauungsproblemen kommen bis hin zur Verstopfung und Darmverschluss (Problem kann bei allen unverdaulichen Stoffen auftreten).
Es stimmt natürlich, dass PVC-U-Röhren gut zu reinigen sind und sie auch gut belüftet werden können. Das ist hierbei zwingend nötig.

Holztunnel bieten eine bessere Alternative. Zum einen bestehen sie aus Holz – einem wichtigen Naturmaterial. Hierbei sind eine Vielzahl Baumarten geeignet. Vor dem Kauf sollte das Inventarteil auf Harzstellen untersucht werden. Es verbietet sich von selbst, Holzröhren mit einem zu kleinen Durchmesser anzubieten (genauso, wie man auch keine PVC-Röhren mit kleinem Durchmesser anbietet.).
Zerlegbar sind Holzröhren – mit der Säge. Die Zerlegbarkeit hat auch nur eine untergeordnete Rolle, da Röhren immer groß genug sein sollten, sodass keine Maus stecken bleiben könnte.
Holztunnel müssen allerdings von Zeit zu Zeit ausgetauscht werden, da sie irgendwann zu verdreckt sind.
Im Falle eines Parasitenbefalls können Holztunnel mit kochendem Wasser entmilbt werden, sowie ausgebacken oder auch eingefroren werden.

Holztunnel haben keine schwerwiegenden Nachteile gegenüber PVC-U-Röhren.

9.

These: Schlechte Luftzirkulation ist nicht abhängig vom Material des Hohlkörpers. In Plastik können schnell mittels Schere Eingänge geschnitten werden.

Antithese: In Plastikinventar zirkuliert die Luft schlecht.

Fazit: Es stimmt: Die Luft zirkuliert in einem Holzhaus nicht anders als in einem Plastikhaus. Es muss in jedem Fall dafür gesorgt werden, dass der Luftaustausch garantiert ist (Ausreichend große Eingänge genügen meist).
Ob man nun in ein Plastikteil einen Eingang mit einer Schere schneidet, oder mit einem Lochkreisaufsatz ein Eingang in ein Holzhaus bohrt, dürfte den gleichen Zeitaufwand besitzen.

10.

These: Das Merblatt der TVT stuft transparente Röhrensysteme als tierschutzwidrig ein, allerdings nicht aufgrund des Werkstoffs (Plastik).

Antithese: Plastikröhren sind tierschutzwidrig, auch weil sie aus Plastik bestehen.

Fazit: Tatsächlich steht in dem entsprechenden Absatz nichts vom Plastik an sich. Es wird lediglich gesagt, dass solche Röhren schlecht belüftet sind und nicht ausreichend gereinigt werden können.
Desweiteren wird später im Artikel gesagt: „In vielen Hamsterspielzeugen sind Weichmacher enthalten. Sie werden im Magen herausgelöst und können verschluckte abgenagte Kunststoffteile zu scharfkantigen Fremdkörpern werden lassen. Dies kann zu inneren Verletzungen und Verdauungsstörungen führen.“
Hier findet der Bezug zu Plastikinventar statt. Der TVT spricht sich hier eindeutig gegen weichmacherhaltiges Plastik-Inventar aus!

Daher sind alle weichmacherhaltigen Kunststoffröhren für die Tierhaltung tabu. (weiter oben wurde ja bereits auf die einzelnen Weichmacher eingegangen).
Lediglich PVC-U-Röhren sind unter Umständen geeignet (für ausreichende Belüftung sorgen, regelmäßige Reinigung).

11.

These: Nahezu jeder Kunststoff ist für Farbmäuse geeignet.

Antithese: Es sollte weitestgehend auf Kunststoffe verzichtet werden.

Fazit: Wie auch schon auf der schlaumaus-Seite erwähnt wird, ist Plastik nur unter gewissen Umständen für Farbmäuse vertretbar.
Es sollten keine diffundierenden/migrierenden Stoffe enthalten sein. Diese könnten schädlich sein. Daher fallen schonmal alle Kunststoffe mit Weichmachern heraus.
Der Kunststoff darf sich im Verdauungstrakt nicht verändern (durch Einwirkung von Magensäure z.B.).
Das trifft auf viele Kunststoffarten zu: PP, PE, PC, PEI, PSU, PLA, PVC-U…

PUR kann Toluylendiisocyanate enthalten, die bei Raumtemperatur diffundieren und Lungenschäden verursachen, ebenfalls kann PUR Weichmacher enhalten.

PMMA und PS können unter Umständen geringfügig Weichmacher enthalten (um eben den Werkstoff weich zu bekommen.). Der Weichmacheranteil dürfte hier ähnlich vorhanden sein wie in PVC-U. Bei dem Markenprodukt Plexiglas wird auf jeglichen gesundheitsschädlichen Weichmacher verzichtet (s.o.)

Wie schon des Öfteren erwähnt, kann auch nach diesen beiden Kriterien geeigneter Kunststoff bei Mäusen zu Darmverschlüssen führen.
Naturstoffe sollten wegen ihrer Unbedenklichkeit und wegen der Naturnähe bevorzugt werden.

12.

These: Obwohl Tierzubehör nicht gekennzeichnet werden muss, kann man mit leichten Methoden schnell den Werkstoff selbst herausfinden (z.B. Schwimm-und Fingernagelprobe) (der ursprüngliche Link der schlaumäuse-Page geht nicht mehr, schade. Hier ein Ersatzlink (KLICK) ) Es ist grundsätzlich immer besser, auf deklariertes Plastik zurückzugreifen.

Antithese: Für eine differenzierte Bestimmung bedarf es mehr als dieser einfachen Tests.

Fazit: Es sollte bei Plastik sicherheitshalber nie auf undefiniertes Plastik zurückgegriffen werden. Die Schwimmprobe und die Fingernagelprobe erlaubt nur eine unbefriedigende Zuordnung des Kunststoffs. Für eine genauere Bestimmung reicht das so schlichtweg nicht aus.

Um hier keine Gefahr in Kauf zu nehmen, sollte man – wenn überhaupt – nur Plastik verwenden, dessen Werkstoff bekannt ist.

13.

These: Holz ist unhygienisch, weil Mäuse nicht so reinlich sind und ihr Nest beschmutzen, sie markieren viel, sind aber auch krankheitsempfindlich. Daher ist die Verwendung von Holz problematisch.

Antithese: Holz ist Plastik zu bevorzugen. Holz kann gut gereinigt werden.

Fazit: Holz ist nicht unhygienischer als Plastik. Wer hier Angst hat, dass sich Keime ansammeln, kann in regelmäßigen Abständen Holzinventar ausbacken oder mit kochendem Wasser abgießen – Dabei sterben Keime ab.
Urin lässt sich leicht abwaschen, wenn man die gefährdeten Stellen mit Spielzeuglack behandelt hat.

14.

These: Vorfahren der Farbmäuse kommen aus den baumlosen Steppen Asiens, daher ist Holz für sie unnatürlich.

Antithese: Holz sollte verwendet werden, da es natürlicher als Plastik ist.

Fazit: Zuerst sei gesagt, dass Holz – egal ob in asiatischen Steppen oder im europäischen Waldgebiet – immer natürlicher ist als Plastik. Schon der Name „Kunststoff“ zeigt an, dass diese Stoffe künstlich hergestellt werden.
Laut Wikipedia folgten die Vorfahren unserer Farbmäuse schon sehr sehr früh in der Geschichte den Menschen nach Europa. Seit über 5000 Jahren gibt es sie in Deutschland. Und von diesen (westlichen) Hausmäusen stammen die Laborstämme ab und daraus auch unsere Farbmäuse.
Das Argument „Holz kommt in der ursprünglichen Heimat nicht vor“ ist daher absolut hinfällig.

15.

These: Durch Metallklammern und Nägel kann ein Verletzungsrisiko bei Holzinventar entstehen. Holzsplitter können das Zahnfleisch verletzen. Klammern und Nägel sind bei Plastikinventar nicht nötig.

Antithese: Holzinventar ist Plastikinventar zu bevorzugen.

Fazit: Manches Holzinventar enthält Klammern und Nägel. Damit es hier zu keinem Verletzungsrisiko kommt, muss selbstverständlich regelmäßig das Inventar kontrolliert werden. Ist es erkennbar, dass Klammern und Nägel hervorstehen könnten, sollte man diese entfernen (mittels Holzleim dann wieder kitten).
Theoretisch besteht ein Verletzungsrisiko durch Splitter für das Zahnfleisch. Allerdings findet sich hierzu kein Erfahrungsbericht- was die absolute Seltenheit dieses Risikos aufzeigt.

16.

These: Holzspielzeug ist nicht ausreichend deklariert (Baumart), Spanplatten und Sperrholz z.B. dünsten Formaldehyd aus. Ebenfalls dürfen Gehege nicht aus diesem Material (wegen Formaldehyd) gebaut werden.

Antithese: Holzspielzeug ist „gesünder“ als Plastikinventar.

Fazit: Es gibt immer öfter formaldehydfreie Spanplatten und Sperrholz. Selbstverständlich sollte sicherheitshalber auf formaldehydhaltige Platten verzichtet werden, wenn man nicht weiß, wie lange diese bereits lagern (und ggf. schon ausgedünstet sind).
Holzspielzeug wird sehr häufig aus Nadelhölzern gefertigt. Diese sind nur wegen des Harzes eingeschränkt geeignet. Gibt es keine harzenden Stellen am Holz, sind Nadelhölzer durchaus geeignet und Inventar daraus unbedenklich.

17.

These: Die Behandlung von Inventar mit Spielzeuglack ist Humbug, da dieser aus Acryl besteht und somit auch Kunststoff ist. Daher kann man gleich auf Plastikhäuser zurückgreifen.

Antithese: Es wird nie das komplette Inventarteil lackiert.

Fazit: Wie oben bereits ausgeführt wurde, ist Kinderspielzeuglack zwar acrylhaltig, allerdings durchaus auch geeignet für die Farbmaushaltung. Wer Holz vor Urin schützen möchte, kann also auf diesen Lack zurückgreifen. Eine absolut unbedenkliche Alternative bietet Leinölfirnis.
Wie auch schon erwähnt wurde, sollte nie das komplette Inventarteil lackiert werden, da es sonst genauso einzustufen wäre wie ein Plastikhaus.

18.

These: Spielzeuglack hält einer gründlichen Reinigung und Desinfektion nicht (ausreichend) stand.

Antithese: Spielzeuglack hält einer gründlichen Reinigung und Desinfektion stand.

Fazit: Der Eigentest zeigt meist sehr deutlich, dass Spielzeuglack einer Reinigung mit Wasser und ggf mit Essigzusatz standhält. Ebenfalls können auch mit gängigen Desinfektionsmitteln (Bactazol, Ardap) keine Schäden am Lack beobachtet werden. Sollte sich Lack ablösen im Laufe der Zeit (oder abgenagt werden), kann nach kurzem Anschleifen einfach wieder überlackiert werden.



Abschlussfazit: Die Argumente für und wider sind extrem vielseitig. Die einzelnen Themengebiete überschneiden sich teilweise stark. Dennoch lässt sich folgendes sagen: Man kann nicht jeden Kunststoff verteufeln.
Es muss außerdem unterschieden werden: Manche Argumente beziehen sich direkt auf den Werkstoff, andere Argumente beziehen sich auf die Inventarform.
Wichtig beim Werkstoff – hier fallen schon einige Kunststoffarten heraus. Jeglicher Kunststoff, der Weichmacher enthält, sollte nicht verwendet werden. Er darf sich im Verdauungstrakt in keinster Weise verändern.
Bei Häusern/Unterschlüpfen und Co. muss auf eine gute Belüftung geachtet werden. Desweiteren müssen sie u.U. häufiger gereinigt werden als anderes Inventar.

Bei Kunststoffen besteht IMMER die Gefahr eines tödlichen Darmverschlusses.

Ob jmd Kunststoffe in der Haltung verwenden möchte oder nicht, ist und bleibt eine persönliche Entscheidung. Wer auf Nummer Sicher gehen möchte, verzichtet allerdings soweit es geht auf Kunststoffe.
 
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Lumi

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#5
ja, bei Nummer 3 muss man noch bisschen genauer rangehen, Beeti hat mich auch schon angeschrieben.
Das wird dann noch verbessert.
 
#6
Sabberlack: vorneweg: Wer hierbei Bedenken hat, kann auf Leinölfirnis zurückgreifen. Es muss zwar ggf nachbehandelt werden, aber die Firnis zieht völlig ein, es entsteht kein abnagbarer Schutzfilm. Das Acryl dient beim Spielzeuglack als Bindemittel. Dadurch kann auf eine Menge gesundheitsschädlicher Lösungsmittel verzichtet werden (nur noch unter 20% Rest-Lösungsmittel, im Vergleich Nitrolacke mit bis zu 80%). Es kann sogar komplett auf Lösungsmittel verzichtet werden (anstelle dessen wird Wasser verwendet).
Die DIN 71/3 geht von Werten für Kinder aus, die nur halb so groß sind wie die Werte für Erwachsene. Das ist schon mal ein klarer Pluspunkt für die Mäuse, da so die gesetzten Grenzwerte niedriger liegen. Die 8-mg-Grenze entspricht der Aufnahme (mengentechnisch) von einem 2x2x2mm großem Plastikwürfel.
Es kann sehr unwissenschaftlich argumentiert werden: Wenn das Acryl im Lack für Kleinst-Kinder unbedenklich ist, dann kann es auch bei Farbmäusen angewendet werden.
Etwas wissenschaftlicher ein anderes Argument: Acrylglas ist ein anderer Begriff für Plexiglas (PMMA). Das kommt daher, dass ein Monomer des PMMAs Acryl enthält: Methacrylsäuremethylester. Aus den Monomeren setzen sich die Polymere zusammen. Einfach ausgedrückt, sind Monomere die kleineren Bausteine eines (Kunst)stoffes.
Daher kann nun an dieser Stelle auch auf die Eigenschaften von PMMA (weiter oben) verwiesen werden.
ich finde hier den sprung von lack zu acryglas verwirrend
ansonsten: daumen hoch
 
#7
Sehr aufschlussreich, wirklich klasse gemacht. *Daumenhoch*
Danke, ich denke die meisten Fragen und Unschlüssigkeiten sind damit erledigt. Hoffentlich muss es deswegen ab jetzt nicht mehr zu Giftereien kommen.
=)
 
#8
noch als kleine Ergänzung/Anmerkung bzgl Schwitzwasser bei Raumtemperatur:

Ronjas Windeleimer ist aus Plastik (so eine "Oscartonne"), steht in ihrem angenehm geheizten Zimmer. Am Deckel ist immer Schwitzwasser durch den Urin in den Windeln
 
#9
Also Lumi, nochmal Respekt vor deiner ausführlichen Arbeit *daumenhoch*
Hier die thermodynamischen Ausführungen zum Thema Schwitzwässer in Kleintierhäusern:

Wie schon besprochen ist
Bedenkt man nun ebenfalls, dass Kunststoffe als schlechter Wärmeleiter auch schlecht die Umgebungstemperatur aufnehmen, wird eine Plastikhausfläche nicht ebenfalls die 21 Grad Raumtemperatur annehmen (sondern wird immer ein kleines Stück weit darunter liegen.)
Ist die Plastikfläche also nur 2 Grad kälter als die Zimmertemperatur, fehlen nur noch knappe 3 Grad, bis Luftfeuchtigkeit kondeniert.
so nicht richtig.
Wenn ein Raum von sagen wir 10 auf 21°C aufgewärmt wird, dann wird das Plastikhaus als schlechter Wärmeleiter die 21°C langsamer erreichen als gute Wärmeleiter wie Glas (allerdings auch nicht bemerkenswert viel später weil die Wärmeleitfähigkeit bei etwas so dünnwandigem wie einer Plastikhauswand keine große Rolle spielt, siehe weiter unten). Aber wenn in dem Raum dauerhaft 21°C herrschen, hat jeder Gegenstand darin der nicht mittels Energiezufuhr erhitzt oder abgekühlt wird, auch 21°C. Das entspricht dem 2. Hauptsatz der Thermodynamik (maximale Entropie)

Woher nun aber das Schwitzwasser?

Ich geh mal davon aus dass der Unterschied zwischen absoluter und relativer Luftfeuchtigkeit bekannt ist und auch die Tatsachhe, dass warme Luft mehr Feuchtigkeit aufnehmen kann (bevor sie kondensiert) als kalte.
Ob sich Schwitzwasser bildet, hängt davon ab wieviel Feuchtigkeit absolut in der Luft vorhanden ist, und welche Temperatur sie hat. Im Jimdo Schlaumäuse Beispiel ist das Plastikhaus gefüllt mit Raumluftluft: 21°C Lufttemperatur, 55% relative Luftfeuchtigkeit. Diese Luft enthält ca. 10.1g Wasser pro Kubikmeter Raumluft. Das Wasser kondensiert wenn es kälter wird als 11,6°C (Taupunkt).

Aber jetzt pack mal 8 atmende Mäusen in dieses Haus und lass das Haus klein und schlecht belüftet sein ;) Da sieht es dann ganz schnell ganz anders aus.
Nehmen wir an die Atemluft der Mäuse hat beim Ausatmen 37°C und 85% relative Luftfeuchtigkeit (grobe Schätzung) Und nehmen wie der Einfachheit halber an, das die warme Ausatemluft der 8 Mäuse im Minihaus dieses fast vollständig ausfüllt. Die Ausatemluft enthält viel mehr, nämlich 37,4g Wasser pro Kubikmeter welches kondensiert wenn es kälter wird als 34°C! Wenn das Plastikhaus immernoch 21°C hat, ist Schwitzwasserbildung also durchaus wahrscheinlich. Je schlechter die feuchte Ausatemluft sich mit der trockeneren Raumluft vermischen kann (Stichwort Eingangsöffnungen) desto wahrscheinlicher ist die Schwitzwasserbildung.

DASSELBE gilt natürlich auch für Behausungen aus Holz, Glas etc.
Eine schlechte Wärmeleitfähigkeit hat dabei theoretisch durchaus den Vorteil, dass die Innenwände das überfüllten Häuschens schneller warm werden. Sollte dabei die 34°C überschritten sind, bildet sich kein Schwitzwasser mehr. Hier soll noch angemerkt werden, dass Die Innenwandtemperatur neben der Wärmeleitfähigkeit auch noch von der Wandstärke abhängt.

Vergleichen wir mal (als kleines Fazit) gleich große und gleich gut belüftete Häuser aus Holz und Plastik mit gleich schlechter Wärmeleitfähigkeit, so ist die Gefahr der Schwitzwasserbildung in dem Haus mit den dickeren Wänden geringer.
 
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#10
@Lumi
Wenn Bedarf besteht, kann ich den Punkt 3. gerne überarbeiten. Laien die Tauwasserproblematik zu erläutern gehört schon fast zu meinem Alltagsgeschäft ;)

Beeti hat die Grundlagen für die Entstehung von Schwitzwasser ja schon geschrieben.
Was jetzt noch fehlt, ist die Erklärung wieso Holz besser vor Schwitzwasser schützt. Das liegt nämlich in erster Linie am wesentlich geringeren Wasserdampfdiffusionswiderstand. Der im Haus von den Mäusen produzierte Wasserdampf kann vom unlackierten Holz aufgenommen und nach außen abgegeben werden. Das reguliert den Wasserdampfgehalt der Luft im Haus nach unten. Kunststoffe können i.d.R. nur sehr schlecht (bis fast gar nicht) Wasserdampf aufnehmen und nach außen abgeben, d.h. der von den Mäusen produzierte Wasserdampf sammelt sich im Haus an.
 
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#11
@Lumi
Wenn Bedarf besteht, kann ich den Punkt 3. gerne überarbeiten. Laien die Tauwasserproblematik zu erläutern gehört schon fast zu meinem Alltagsgeschäft ;)
Dann bin ich wohl in deinem Team Estrella ;)
Sollen wir (Estrella und ich) das zusammen machen oder reicht dir der Text oben als Vorlage, Lumi?
 

Lumi

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#12
So auf dem falschen Dampfer war ich ja gar nicht, ich hab nur fälschlicherweise die Wärmeleitfähigkeit zum Saubär erklärt :D

Dass natürlich die Atemluft nochmal feuchter ist, daran hab ich nicht gedacht. Ich wollte den Luftfeuchtigkeitswert nur nicht zu hoch ansetzen (ich hab ja keine Ahnung von sowas :D ).

Wenn ihr wollt, könnt ihr das idiotensicher ausformulieren und dann basteln wir das oben rein mit Editvermerk. Wie gesagt, ich hab von dem Fall hier kaum eine Ahnung und hab halt versucht mir das Wissen über entsprechende Seiten anzueignen ^^.
ihr könnts also gern machen, wenn ihr wollt =)
Ist ja auch besser so, dann wirds ein Forenprojekt (man sieht, dass das nicht nur auf dem Mist von einer Person gewachsen ist).

@Mareike: Evtl kann man sich ja noch was für die Acryl-geschichte einfallen lassen. Evtl hab ja ich (oder jmd anders =) ) ne Idee bei Zeit..
 
#13
habe noch n kurzen Absatz über Weichmacher in meinem Baustoffbuch gefunden:

Die PVC- Produktion stellt den größten Verbraucher von Weichmachern dar. Diese können bis zu 60% im PVC enthalten sein. Hauptsächlich werden Phtalsäureesther als Weichmacher verwendet. Phtalsäureesther wurden in den USA als krebserzeugend eingestuft [KATALYSE Institut,2001]. Phtalsäureesther sind sehr langlebige Substanzen. Es besteht der Verdacht, dass sie die Fortpflanzungsfähigkeit beeinflussen.

Es gibt aber auch relativ unbedenkliche Weichmacher wie z.B. Rhizinusöl (wobei dies wohl eher auf das ausdünsten und nicht das anknabbern bezogen sein wird)
 

Lumi

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#14
Punkt 3 wurde von unsren Experten (Großes Danke an Beeti und Estrella!) überarbeitet und von mir oben eben eingefügt.
 

Jolie

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#16
Habe mit großem Interesse gelesen, was man alles falsch oder richtig machem kann bei der Ausstattung des Mäueheimes.

Ganz herzlichen Dank an Lumi, für diese sehr aufschlussreiche Darstellung des Für und Widers bei der Verwendugn von Plastik. Diese Arbeit wäre sicherlich als
Hausarbeit im Studium zu gebrauchen!

Frage: spricht aus eurer Sicht und nach euren Erfahrungen etwas dagegen, unbehandelte Tontöpfe als Schlafhäuschen zu verwenden?

Wir haben bislang lediglich Holzhäuschen, Kokosnüsse und Tontöpchen verwendet. Mir persönlich gefallen die Tontopfhäuser deshalb so gut, weil man sie in fast jeder Größe bekommt. Mein Mann bearbeitet sie mit Bohrmaschine und Flex so, dass es oben ein Be- ,bzw. Entlüftungsloch gibt, schneidet einen hübsch abgerundeten Eingang hinein und berundet zum Abschluss alle Kanten mit einer Feile. Meine Mäuschen nehmen diese Häuschen sehr gerne an und ich finde sie sehr praktisch, weil man sie mit heißem Seifenwasser richtig schrubben kann, schön mit heißem Wasser abspülen, trocknen lassen - klasse...
Nun ist es unter diesen Häuschen, wenn ich sie hochnehme aber immer ein wenig wärmer (schätzungsweise 2-3°C) wärmer als im übrigen Aquarium. Kondesnwasser konnte ich allerdings noch nie entdecken - sie sind immer trocken.

Gut oder problematisch?

Liebe Grüße
Jolie
 

jaw

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#17
bei unbehandelten Tontöpfen gibt es Unterschiede, je nach dem wie sei gebrannt wurden.
Wurden sie nur bis ca. 1000°C Brenntemperatur gebrannt, dann sind sie nicht wasserdicht - das bedeutet, dass sie sich wie unbehandeltes Holz mit Urin vollsaugen, und nach sagen wir mal ca. 3 Monaten derart bestialisch stinken und mit einer Bakterienflora durchsetzt sind, dass man sie besser dann entsorgen sollte - reinigen geht auch kaum bis gar nicht.
Wurden sie bei Temperaturen über 1300°C gebrannt, sind sie wasserdicht, und verhalten sich wie versiegeltes Holz (Sabberlack, Leinölfirnis, ...)

Beide Versionen sind atmungsaktiv, Kondenswasser verdunstet problemlos (aber Rückstände aus der Feuchtigkeit wie z.B. Harn aus Urin etc. bleiben IM Ton in den Poren abgelagert).

Bei Blumentöpfen (Innentöpfe, die mit Loch im Boden) gehe ich davon aus, dass sie nicht wasserdicht sind, da der Saugeffekt dort gewünscht ist. Bei Übertöpfen sieht das dann schon anders aus.

Aus Mausesicht sind beide Versionen unbedenklich, aus Haltersicht sind nur die hochtemperaturgebrannten dauer-Tauglich, weil nur die wirklich gereinigt werden können.
 
#18
Frage: spricht aus eurer Sicht und nach euren Erfahrungen etwas dagegen, unbehandelte Tontöpfe als Schlafhäuschen zu verwenden?
bei tontöpfen wofür man auch immer sie verwendet werden IMMER und UNBEDINGT das loch vergrößern

mir ist da mal ne maus drin steckengeblieben und zwar richtig genau in der mitte ...sie hat schrecklich gefiept ...musste sie vorsichtig ( an beiden enden ) mit nem handtuch umwickeln und den topf mit dem hammer zerschlagen

zuvor hab ichs mit öl versucht ...die war richtig fest ...

das war eine r der schlimmsten momente in meinem leben :(
also
bei tontöpfen IMMER das loch vergrößern
 
#19
Wow Haste bestimmt lange gebraucht das zu schreiben:D
naja meine Süsen haben eine Plastik Röhre& Ich denke Mal sie nagen super gerne daran aber da sie nagen & Fressen denke mal unterscheiden können Verschlucken sie nichts also EIGENTLICH EIGENTLICH ist plastik ungefährliich!
 
#20
Plastik ist ganz bestimmt nicht ungefährlich.
Es ist mehr als schädlich und hat schon vielen Tieren das Leben gekostet.

Man kann sich auch mal verschlucken und dann ist der Unterschiedgroß, wenn man Pappe oder Plastik im Mund hat.

Einige Tiere hat das gefressene Plastik sogar schon den Magen oder die Speiseröhre aufgeschlitzt. Damit ist echt nicht zu spaßen. Also bitte:

Pfoten weg von Plastik im Käfig!
 
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